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    Gute Resonanz auf Herbstseminar der Landgesellschaft am 10.12.2013

    Das Herbstseminar 2013 war einem Thema gewidmet, das üblicherweise nicht zu den Beratungs- und Dienstleitungsbereichen der Landegesellschaft gehört, das aber für eine erfolgreiche Führung eines landwirtschaftlichen Unternehmens von größter Bedeutung ist: Die erfolgreiche Anwerbung und motivierende Umgang mit Mitarbeitern.

    Angesichts des demografischen Wandels werden landwirtschaftliche Betriebe künftig wohl stärker um Mitarbeiter konkurrieren müssen- deshalb ist es umso notwendiger,  sie mit Motivation zu führen und sich umfassen über die Qualität und Umstände der Ausbildung-  aber eben auch über die Arbeitsbedingungen Gedanken zu machen.

    Herbstseminar : Nahtstelle zwischen Wissenschaft und Praxis

    Der Einladung zum Herbstseminar  in den Räumen der Hochschule Anhalt in Bernburg-Strenzfeld  folgten zahlreiche Interessiert. Als Vortragende konnten sowohl Referenten von der MLU und der Hochschule Anhalt als auch aus der Betriebspraxis gewonnen werden. Somit war ein umfassender Einblick in die Problematik gewährleistet.  

    So gab der  Präsident der Hochschule Anhalt, Prof. Dr. Dieter Orzessek, in seinen Begrüßungsworten einen kurzen Einblick in die Studienangebote und wies auf die Bedeutung der Ausbildung für landwirtschaftliche Berufe  an seiner Einrichtung hin. Bei allen umfassenden Ausbildungsangeboten müsse jungen Menschen jedoch in den Betrieben auch eine Perspektive aufgezeigt werden. Dabei gehe es nicht nur darum, den richtigen Absolventen zu finden oder aufzubauen. Jungen Menschen müsse von Anfang an auch Vertrauen entgegen gebracht werden.

    Begrüßung durch Herrn Dr. Boß

    Begrüßung durch den Geschäftsführer der Landgesellschaft Herrn Dr. Boß

    Berufseinsteiger wissen um ihren Wert

    Auch Dr. Jürgen Heinrich von der Martin-Luther Universität Halle betonte, man könne von Absolventen  nicht erwarten könne, dass sie schon mit langjährigen Berufserfahrungen in die Berufspraxis starten. Dieser Vorwurf werde immer wieder laut. In seinem Vortrag „Mitarbeiter finden- Was erwarten Hochschulabsolventen von Unternehmen?“ verwies er zunächst auf den immer größer werdenden Bedarf an Fachkräften in der Landwirtschaft, vor allem auch in der Führungsebene. In den Neuen Bundesländern würden pro Jahr etwa 500 Studenten als Master oder Bachelor mit ihrem Studium fertig, die dann auch nur zu etwa einem Drittel in die primären Agrarberufe einsteigen-bei weitem nicht genug für den ostdeutschen Markt. „Die Berufseinsteiger wissen um ihren eigenen Wert. Statt von einem Betrieb ausgesucht zu werden, könnten sie sich selbst aussuchen, wo sie arbeiten wollen.“ Nicht umsonst spreche man von der Generation Y – angelehnt an das englische „why“- für warum (‚Warum sollten sie etwas tun …?‘)

    Wichtiges Kriterium bei Wahl eines Arbeitsplatzes sei für die Absolventen dabei die praktische Erfahrung. Dies sollten Betriebe bei Mitarbeitergewinnung beachten. Wer Ferienjobs anbiete, Studienwillige fördere, sich um Praktikanten bemühe oder seinen Mitarbeiter Trainee-Programm ermögliche, werde es leichter haben, gute Mitarbeiter an sich zu binden.  

    „Lust verkürzt den Weg“ – William Shakespeare

    Prof. Dr. Gerhard Igl von der Hochschule Anhalt stellte in seinem Vortrag die „Arbeitsmotivation und Arbeitszufriedenheit“  von Mitarbeitern in Personalverantwortung den Mittelpunkt. Dazu brachte er interessante Ergebnisse einer aktuellen Studie über Mitarbeiter der zweiten Leitungsebene ein. So sei es den meisten der 115 Befragten bei weitem wichtiger gewesen, eine Arbeit zu haben, die Freude macht und Entscheidungsmöglichkeiten und Eigenverantwortung beinhaltet , als eine Arbeit zu haben, die in erster Linie der Sicherung des Lebensunterhaltes dient. Igl wies darauf hin, dass sich die Erwartungen an die Arbeitsstelle zwischen Jung und Alt unterscheiden. Während es jungen Menschen wichtiger ist, Entwicklungsmöglichkeiten und Herausforderung zu haben, seien für ältere Faktoren wie Sicherheit, Kollegialität und Anerkennung von Bedeutung.  Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit einer Arbeitsstelle sagten indes nichts über die Motivation aus.  Zufriedenheit könne, müsse aber nicht motivierend sein, wenn sich damit eine gewisse Bequemlichkeit einstelle. Andersherum könne ein unzufriedenes Gefühl der Arbeit gegenüber durchaus zu höheren Leistungen anspornen, getreu dem Zitat von Jean Paul „ Fortschritt ist das Werk des Unzufriedenen“.

    Was tun für eine richtige Motivation?

    Um Arbeitskräfte gut zu motivieren, sollten laut Igl gemeinsame Ziele und Visionen ermittelt und ein gutes Arbeitsklima geschaffen werden. Wer  selbst für seine Arbeit brenne, stecke mit seiner Begeisterung andere an. Eines der besten Mittel zur Motivation sei es aber, konsequent Verantwortung zu delegieren.

    Dies bestätigte auch Björn Küstermann – selbst in leitender Position im Landgut Krosigk tätig. Er konnte aus seiner eigenen Erfahrung den Übergang von Studium in den Arbeitsmarkt als sehr gelungen bezeichnen , eben weil ihm rechtzeitig Verantwortung übertragen worden und vom Tage seiner Einstellung volles Vertrauen entgegen gebracht worden sei.

    Dank Praktika ein besserer Einstieg ins Berufsleben -

    Schon während seines Studiums hatte Björn Küstermann etliche wissenschaftliche Praktika absolviert, so auch 2002 beim seinem heutigen Arbeitgeber, dem Landgut Krosigk.  Praktika seien ein Teil der Ausbildung von unschätzbarem Wert. Dabei seien Praktika von längerer Dauer und mit unterschiedlichen Einsatzbereichen eindeutig vorzuziehen. Als Grundvoraussetzungen für einen idealen Arbeitseinstieg nannte Björn Küstermann neben der hohen Motivation, die durch Leidenschaft für den Beruf , einem guten Arbeitsklima und der Sicherheit durch praktische Erfahrungen gelinge, die  Übernahme einer Tätigkeit mit Verantwortung. Und dies in möglichst schlanken Leitungs– und Verwaltungsstrukturen. Daneben sei auch eine Einarbeitungszeit wichtig, in der Verantwortung noch in gleichzeitigem Erfahrungsaustausch mit Vorgesetzten gelernt werden kann. Schließlich müsse das im Studium erlernte Wissen schnellstmöglich auf die Praxis „heruntergebrochen“ werden. Ebenso seien Entscheidungsfreiheit und die Möglichkeit zur ständigen Weiterbildung wichtige Motivationsgrundlagen.

    Herbstseminar 2013

    Blick in die Teilnehmerrunde

    Wissen heißt wissen, wo es steht. Warum es für Studienabgänger schwer ist, eine geeignete Stelle zu finden.

    Aktuelle Einblicke in die konkrete Bewerbungssituation für Studenten gab Michael Kretschmar von der Hochschule Anhalt aus dem Masterstudiengang Food and Agribusiness. In der Zeit nach seinem Bachelorabschluss habe er Schwierigkeiten gehabt, über die üblichen Zeitschriften und Internetportale freie Stellen überhaupt zu finden. Zu schlecht informierten die Betriebe über Jobangebote. Auch hätten nur wenige Unternehmen eine Internetpräsent, die über die Struktur des Betriebes Auskunft gebe. Dies sei für Studienabgänger in der Bewerbungsphase aber sehr wichtig. Er habe Arbeitsangebote bekommen, bei denen er an Entscheidungsprozessen nicht beteiligt wurde, er keine langfristigen Perspektiven geboten bekommen habe und Entscheidungsprozesse nicht in die Ebenen unter der Geschäftsführung kommuniziert wurden. Für Arbeitseinsteiger sollten auch die Zukunftsaussichten im Unternehmen glaubwürdig sein. Das Geld stehe dabei nicht im Vordergrund, trotzdem müssten die Absolventen auch von dem Gehalt leben können. Sein Fazit auf die Erfahrung der Jobsuche nach Bachelor-Abschluss war es, lieber noch einen Masterstudiengang zu belegen.

    Beispiele aus der Praxis : Agrarbetriebe mit guter Mitarbeiterbindung

    Wie Mitarbeiter leistungsbezogen und damit motivationsfördernd entlohnt werden können, legte Norbert Münch, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Weißenschirmbach dar.  So habe jeder nach einer gewissen Zeit die Möglichkeit, Anteile der Genossenschaft zu erwerben, Dividendenzahlungen zu erhalten,  möglicherweise auch in den Aufsichtsrat gewählt zu werden und auf dieser Ebene mitzubestimmen. Als gutes Motivationsmittel habe sich erwiesen, die Grundlöhne mit einem Leistungszuschlag für Pünktlichkeit, Ordnung und Arbeitsleistung zu erhöhen. Zudem versuche man, Mitarbeiter durch eine Anzahl anderer Maßnahmen zu binden. So gebe es neben einer betrieblichen Altersvorsorge eine betriebliche Unfallversicherung, die auch im privaten Bereich greift. Sehr wichtig für den Zusammenhalt seien Firmenfeste oder gemeinsame Ausflüge. Sie stärkten das Wir-Gefühl.

    Von ähnlichen Erfahrungen berichtete Klaus Schönfeldt, Geschäftsführer der Quellendorfer Landwirte GbR. Auch in den Betriebszweigen dort werde der Zusammenhalt hochgehalten.

    Durch Ausbildung Mitarbeiter gewinnen

    Einer der wichtigsten Punkte zur Akquise geeigneter Mitarbeiter sei die Ausbildung, so Schönfeldt. Der Idealfall bestehe darin, dass im Betrieb ausgebildete Lehrlinge bei guter Leistung- so wie in vielen Fällen auch in Quellendorf- übernommen würden. Um genügend Anfragen nach Lehrstellen zu erhalten, kooperiere man in Quellendorf deshalb schon mit Schulen, veranstalte Praxistage, Praktika und Ferienarbeit, Workshops oder Hoffeste- und versuche auch die Medien einzubinden.

    In der Lehrzeit selbst seien neben einer intensiven Betreuung und betriebsübergreifenden Unterweisungen auch die Teilnahme an Berufsmessen ein wichtiger Motivationsfaktor. Denn dadurch würden die jungen Menschen Anerkennung erfahren und gute Leistungen zudem noch vergütet bekommen.

    Zu wenige Frauen in den Führungsebenen? Ausbildungsverbund auch in Sachsen-Anhalt ? Diskussionsrunde wirft Fragen auf

    In der abschließenden Diskussionsrunde des Herbstseminars wurde vorgeschlagen, einen Ausbildungsverbund ähnlich wie in Sachsen auch in Sachsen-Anhalt auf die Beine zu stellen. Damit könnte die Lehrlingsausbildung noch übergreifender und komplexer werden. Die Frage, warum so wenige Frauen nach dem Agrar-Studium in leitenden Positionen arbeiteten, wurde eher kontrovers diskutiert. Einhellige Zustimmung dagegen gab es bei der Forderung an das Land, sich mehr für eine Lehrlingspräsentationen auf Landes- und Kreisebene stark zu machen und dies nicht nur dem Bauernverband zu überlassen.

    Herbstseminar 2013

    Verabschiedung durch Geschäftsbereichsleiterin Frau Wolfgram

    Ausblick :

    Angesichts der guten ersten Resonanz und das rege Interesse am diesjährigen Herbstseminar versprach der Geschäftsführer der Landgesellschaft, Dr. Willy Boß , über weitere Veranstaltungen zu übergreifenden Themen in Zusammenarbeit mit der Martin-Luther-Universität und der Hochschule Anhalt nachzudenken.