In der Nähe von Gohrau im Landkreis Wittenberg sind Tausende Bäumchen in die Erde gekommen. Aus ihnen soll in den nächsten Jahrzehnten ein Wald werden. Ein weiteres Ökopool-Projekt der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt.
Hochbetrieb am Bresker Forst. Martin Schwärzel, Chef des gleichnamigen Forstbetriebs und sein Team aus 8 Leuten hatten Anfang April gut zu tun. Innerhalb von einer Woche haben sie 19.000 Stieleichen, 1.600 Hainbuchen, 800 Winterlinden, 100 Bergahorn und über 1.000 Sträucher für den abschließenden Waldmantel gesetzt, und das per Hand! Auf der Fläche von rund 3,3 Hektar sind das bis zu 5.000 Setzlinge pro Tag. Bei den Löchern helfen noch motorisierte Erdbohrer – der Rest ist Handarbeit: Bäumchen einsetzen, Loch schließen und Erde gut andrücken.

Nun stehen sie da in Reih und Glied und sind in Zeiten von Klimawandel und Waldsterben eine Investition in die Zukunft. In fünf bis sieben Jahren wird der Schutzzaun rund um das Gelände entfernt. Dann haben Rot- und Rehwild oder Hasen freien Zutritt. „Auch die beiden Senken, die auf dem ehemaligen Acker entstanden sind und die meist unter Wasser stehen, sollen Lebensraum für etliche Tier- und Pflanzenarten werden, auch Vögel finden hier vielleicht einen Platz zum Brüten“, sagt Marit Binder, die Projektleiterin der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt. „Durch Vernässungsbereiche handelt es sich um einen niedrigen landwirtschaftlichen Ertragsstandort, die Ackerzahlen liegen zwischen 29 und 36. Der Landwirt war von Anfang an mit im Boot, wir haben gut zusammengearbeitet“, so Binder weiter.
Von einem richtigen und vor allem artenreichen Laubmisch-Wald kann man aber erst nach etlichen Jahren sprechen. Bis zum Beispiel eine Hainbuche 12 bis 15 Meter hoch ist, vergehen an die 40 Jahre, erklärt Schwärzel.

Drei Jahre ist es her, da wurden auf der anderen Hälfte des Geländes (3,5 ha) mehr als 27.000 Sämlinge von heimischen Stieleichen, Winterlinden, Hainbuchen und Bergahorn gepflanzt. Die sind gut gewachsen – der Fachmann sagt: die Kultur ist gesichert, die Ausfallrate beträgt bisher nur rund 5 Prozent. Größtenteils ist der Wald sich selbst überlassen, er wird auch nicht extra gewässert. So lange der Schutzzaun steht, werden die Reihen zwischen den Bäumen vom Forstbetrieb Schwärzel nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht. Mehr Pflege ist erst mal nicht nötig.
Mit Ökopools wie diesem kompensieren Investoren und Bauherren ihre Eingriffe in die Natur. In diesem Fall sind es insgesamt elf Eingreifer. Wer Flächen versiegelt, ist gesetzlich dazu verpflichtet, einen Ausgleich zu schaffen. Die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt nimmt den Eingreifern diese umfangreiche Arbeit ab – von der Planung über sämtliche Genehmigungen bis hin zur Umsetzung. In ganz Sachsen-Anhalt betreut die LGSA 49 Ökopools.
Der nächste folgt in direkter Nachbarschaft: der Ökopool Bresker Forst II mit einer Fläche von rund 5 Hektar. Hier beginnt die Aufforstung voraussichtlich im übernächsten Jahr. Seinen Namen hat das Projekt übrigens vom angrenzenden FFH-Schutzgebiet (Fauna-Flora-Habitat) „Bresker Forst östlich Oranienbaum“, dessen Fläche nun ganz im Sinne des Landeswaldgesetzes von Sachsen-Anhalt erweitert wird.

