Wo sich Radfahrer und Spaziergänger treffen, treffen sich auch Rinder und die Graue Skabiose. An den Trockenhängen bei Gröbzig.
Die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt vereint in ihrem Ökopool-Projekt bei Gröbzig Landwirtschaft mit Naturschutz. Zum einen lassen die langjährigen Pächter vom ortsansässigen Landwirtschaftsbetrieb Hof Pfaffendorf an den Trockenhängen ihre Rinder auf der ca. 15 Hektar großen Fläche weiden. Zum anderen hilft die Hochschule Anhalt der Grauen Skabiose auf die Sprünge. Dr. Karina Engst und ihre Mitstreiterin Paula Fuchs vom Fachbereich „Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung“ haben voriges Jahr 16.000 Samen gesät und 400 Pflanzen der gefährdeten Art gesetzt. Und erste Erfolge zeigen sich bereits. Die zarten blauen Schönheiten sind erstaunlich robust und können schon mal bis in den Dezember hinein blühen.

Die Rinder wiederum halten Gras und unerwünschte Triebe kurz. Denn mit schweren Gerätschaften lässt sich das hügelige und unebene Gelände nicht bearbeiten. Das ist aber nötig, weil sonst Büsche und Bäume den Trockenrasen mitsamt der Skabiose verdrängen würden. Ein Lebensraum für viele Tiere – so haben Marit Binder und ihre Kollegen von der Außenstelle Wittenberg hier schon 78 Wildbienen-Arten aus 15 Gattungen durch eine unabhängige Gutachterin nachweisen können. Diese Arten profitieren ebenfalls von der Beweidung der Flächen. Denn die Rinder leisten auch als Landschaftspfleger gute Arbeit: sie schaffen offene Trittstellen, in denen sich bodennistende Bienen ansiedeln können.

Fotos: LGSA
Die Trockenhänge bei Gröbzig – ein weiteres Ökopool-Projekt der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt. In diesem Fall haben die Betreiber eines Windparks und ein Stromnetzbetreiber ihre Eingriffe in die Natur mit unserer Hilfe ausgeglichen.
Und jetzt? Jetzt folgt das nächste Projekt: die Fuhneaue bei Gröbzig.
Südlich der Trockenhänge, in Sichtweite zeigt sich das gegenteilige Bild: es ist feucht. Auf diesem Teil des Feldes – begrenzt von der Fuhne - steht regelmäßig das Wasser, wenn es viel regnet. Auch tut der Biber mit seinem Staudamm sein Übriges.
Hier sollen auf einer rund 21 Hektar großen Fläche artenreiches Auengrünland sowie ein Auenwäldchen entwickelt und bewirtschaftet werden. Ein erster Vertragspartner zur Ablösung seiner Kompensationspflicht steht schon bereit. Weitere künftige Vorhabenträger stehen in der Warteschlange.
Und das sollen alle wissen
Viele Radfahrer und Spaziergänger genießen die Landschaft am Akazienberg. Und sie sollen wissen, was hier geschaffen wurde und in Zukunft noch geschaffen wird. Deshalb steht am Wegesrand zwischen Trockenhängen und Fuhne seit kurzem eine Infotafel, die über diese wichtigen Projekte informiert.
